Ab 1. Juni 2024 wird nach § 20a und § 20b AufenthG die Chancenkarte zur Suche nach einer Erwerbstätigkeit oder nach Maßnahmen zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen eingeführt. Mit der Verabschiedung der neuen Regelungen werden Ihre Möglichkeiten, eine passende Beschäftigung in Deutschland zu finden oder sich selbständig zu machen, erweitert und vereinfacht.

Chancenkarte zur Suche nach einer Erwerbstätigkeit

Aufgrund von § 20a AufenthG existiert die Chancenkarte in zwei Arten:

  1. Such-Chancenkarte nach § 20a Abs. 5 Satz 1 AufenthG, die für einen Zeitraum von bis zum 1 Jahr erteilt wird und
  2. Folge-Chancenkarte nach kann § 20a Abs. 5 Satz 2 AufenthG, die um bis zu weitere 2Jahre verlängert.

Die Chancenkarte berechtigt Sie, eine Nebenbeschäftigung von durchschnittlich insgesamt höchstens 20 Stunden je Woche auszuüben. Außerdem ist es erlaubt, eine Probebeschäftigung für jeweils höchstens 2 Wochen aufnehmen. Die Probebeschäftigung muss aber sich auf eine qualifizierte Tätigkeit oder Ausbildung beziehen, oder einer Maßnahme zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen nach § 16d AufenthG entsprechen.

Voraussetzungen für die Erteilung einer Suche-Chancenkarte gem. § 20a Abs. 3 AufenthG:

  1. Diesen Aufenthaltstitel können Sie erhalten, wenn:
    • Sie eine Fachkraft gem. § 18 Abs. 3 Nr. 1 oder 2 AufenthG sind. Das bedeutet, dass Sie einen inländischen Berufsabschluss oder einen gleichwertigen ausländischen Berufsabschluss haben, oder einen deutschen Hochschulabschluss oder einen in Deutschland voll anerkannten ausländischen akademischen Abschluss besitzen, oder
    • Sie eine ausreichende Punktzahl (mindestens 6 Punkte) für die Erfüllung von Merkmalen nach § 20b Abs. 1 Satz 1 AufenthG erreichen. Um sich für das Punktesystems zu qualifizierten, müssen Sie außerdem einen ausländischen Berufs oder Hochschulabschluss haben, der in dem Land, in dem er erworben wurde, staatlich anerkannt ist. Wenn Sie eine berufliche Qualifikation haben, müssen Sie zusätzlich eine mindestens 2-jährige Ausbildung nachweisen. Für den Abschluss müssen Sie eine Zeugnisbewertung von der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen beantr agen (ZAB). Die zweite Anforderung ist die Sprachkenntnisse. Sie müssen deutsche Sprachkenntnisse auf mindestens A1-Niveau oder englische Sprachkenntnisse auf mindestens B1-Niveau (GER) vorweisen.
  2. Die vollständige Lebensunterhaltssicherung wird als zwingende Voraussetzung gesetzt. Die Lebensunterhaltssicherung muss während der Gültigkeitsdauer des Aufenthaltstitels gesichert sein.

Im Prinzip wird eine Such-Chancenkarte für einen Zeitraum von bis zu 1 Jahr erteilt, die unter Umständen für ein weiteres Jahr erneut erteilt werden würde, wenn Sie sich nach Ablauf der Gültigkeitsdauer der letzten Such-Chancenkarte mindestes so lange im Ausland aufhalten, wie Sie sich auf der Grundlage der Chancenkarte in Deutschland aufgehalten haben (§ 20a Abs. 5 Satz 7 AufenthG).

Bitte beachten Sie, dass Sie einen der bestehenden Aufenthaltstitel bei der zuständige Ausländerbehörde beantragen können, wenn Sie die entsprechenden Voraussetzungen des konkreten Aufenthaltstitels erfüllen.

Wann Ihre Chancenkarte als eine Folge-Chancenkarte verlängert wird?

Einer Verlängerung in die Folge-Chancenkarte wird nur dann zugestimmt, wenn Sie die Voraussetzungen für Erteilung einer anderen Aufenthaltserlaubnis nach Abschnitt 4 AufenthG nicht erfüllen (§ 20a Abs. 5 Satz 3 AufenthG).

Nach § 20a Abs. 5 Satz 2 bis 5 haben Sie eine Möglichkeit Ihre Such-Chancenkarte bis zu 2 Jahren als eine Folge-Chancenkarte zu verlängern. Dazu gelten die nachfolgenden Anforderungen:

  1. Erforderlich ist ein Antrag auf die Verlängerung bei der zuständigen Ausländerbehörde während der Gültigkeit Ihrer Such-Chancenkarte.
  2. Sie verfügen über einen Arbeitsvertrag oder ein verbindliches Arbeitsplatzangebot für eine inländische qualifizierte Beschäftigung.
  3. Die Bundesagentur für Arbeit erteilt ihre Zustimmung.

Sie dürfen nur eine Tätigkeit ausüben, die auf Ihre zukünftige Beschäftigung ausgerichtet ist.

Kurzübersicht über das Punktesystem für die Chancenkarte

Das Punktsystem wird für Sie nur relevant, wenn Sie keine Fachkraft im Sinne des § 18 Abs. 3 Nr. 1 oder 2 AufenthG sind. Mit anderen Worten, Sie haben keinen deutschen Berufs- oder Hochschulabschluss oder Ihr ausländischer Abschluss wird nicht vollständig anerkannt.

Die zu sammelnde Mindestpunktezahl beträgt 6.

Die jeweilige Punktzahl wird Ihnen gemäß § 20b AufenthG in Verbindung mit der Tabelle, die eine Anlage zum Aufenthaltsgesetz ist, vergeben. Es ist wichtig zu beachten, dass Sie jedes Mal einen entsprechenden Nachweis für die jeweilige Kriterien benötigen.

Das Punktesystem

  • Angerechnet werden Berufserfahrung, Abschlüsse, Sprachkenntnisse auf Deutsch oder Englisch, Alter und Ehegattenprivileg.
  • Mindestpunktzahl sind 6 Punkte,
  • Maximalpunktzahl sind 15 Punkte. Nach § 20b Abs. 1 Satz 1 Nr. 8 AufenthG erhält der Ausländer Punkte, wenn er nach Erwerb einer ausländischen Berufsqualifikation (nach § 20a Abs. 4 Satz 3 Nr. 1 Buchst. c AufenthG) über einen (auch privaten) ausländischen Berufsabschluss einer Auslandshandelskammer verfügt und einer der Berufsgruppen nach § 18g Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 AufenthG in einem dort genannten Engpassberuf zugehört. Dies wird mit einem Punkt belohnt.

Unsere Anwaltskanzlei Jaberi mit Sitz in Hamburg ist auf dieses Gebiet spezialisiert und bietet umfassende Beratung und Unterstützung bei der Beantragung der Chancenkarte, bei der Vorrangprüfung und bei allen weiteren migrationsrechtlichen und arbeitsrechtlichen Fragen. Mit unserer Expertise vertreten wir sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer und begleiteen Sie durch das gesamte Verfahren. Für weitere Informationen oder um einen Termin zu vereinbaren, können Sie uns unter der Telefonnummer 040 41349987 kontaktieren oder unsere Website jaberilawyers.com besuchen. Dort finden sich auch Details zu den Öffnungszeiten und weiteren angebotenen Dienstleistungen.

Common Questions

Frequently Asked Questions

Die erste Rechtsberatung kostet 280 EUR und dauert 60 Minuten. Wir prüfen, ob die Chancenkarte für Sie der richtige Hebel ist, ob Sie über Fachkraftstatus oder über das Punktesystem qualifizieren, wie der Lebensunterhalt sauber nachgewiesen wird und wie wir den Wechsel in einen Arbeitstitel strategisch vorbereiten.

Die Chancenkarte ist ein Aufenthaltstitel zur Arbeitsplatzsuche für Drittstaatsangehörige. Sie ermöglicht die Einreise nach Deutschland, um vor Ort eine geeignete Beschäftigung zu finden – auch ohne bereits unterschriebenen Arbeitsvertrag, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind.

Ja, wenn entweder (a) Sie als Fachkraft gelten (volle Anerkennung der Qualifikation) oder (b) Sie im Punktesystem die erforderliche Mindestpunktzahl erreichen (regelmäßig mindestens 6 Punkte) und der Lebensunterhalt gesichert ist. Wir prüfen die schnellste Route und bauen die Nachweise so, dass das Verfahren nicht in Nachforderungen kippt.

Das ist möglich, aber nicht frei. Gesetzlich gilt: Wenn Sie sich bereits in Deutschland aufhalten, kann die Chancenkarte nur erteilt werden, wenn Sie einen Aufenthaltstitel nach bestimmten Abschnitten des AufenthG besitzen. Wir prüfen Ihren aktuellen Status und planen den Wechsel so, dass keine Statuslücke und keine Zweckproblematik entsteht.

Ja, es gibt ausdrücklich Optionen: Nebenbeschäftigung bis zu 20 Stunden pro Woche sowie Probebeschäftigung (in der Praxis als zeitlich begrenztes Try-out ausgestaltet). Wir stellen sicher, dass Umfang, Vertrag und Tätigkeit compliant sind und die Jobsuche nicht gefährden.

Die Chancenkarte wird in der Regel für bis zu 1 Jahr erteilt. Eine Verlängerung kann unter engen Voraussetzungen möglich sein. Wir prüfen, ob Verlängerung sinnvoll ist oder ob der saubere Weg der Wechsel in einen Arbeitstitel ist.

Dann ist der Business Case: Wechsel in einen Aufenthaltstitel zur Beschäftigung (oder eine andere passende Schiene, z. B. Blue Card). Wichtig: Der Wechsel muss rechtzeitig vor Ablauf der Chancenkarte beantragt werden. Wir steuern die Umstellung so, dass Arbeitsbeginn, Titelwechsel und Behördenkommunikation sauber ineinandergreifen.

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